Wie viel Website brauchst du eigentlich?


Eine Person vor einer einfachen Unternehmens-Website, während verwirrende Unterseiten herumschweben.

Von Zeit zu Zeit möchte ich mich über ein Unternehmen informieren. Also öffne ich deren Website, und öfter als erwartet erklärt sie eigentlich nicht, was das Unternehmen tut. Schlimmer noch: Manchmal hat sie haufenweise Unterseiten, die jeweils einen kleinen Teil des Angebots erklären. Doch keine einzige Seite verschafft mir einen vernünftigen Überblick über das Unternehmen als Ganzes.

Das ist ein Problem, denn Menschen beschäftigen sich im Allgemeinen nicht lange damit, eine Website zu verstehen. Die Nielsen Norman Group hat herausgefunden, dass Nutzer Webseiten oft innerhalb von 10–20 Sekunden wieder verlassen. Um sie zu halten, empfiehlt sie, das Wertversprechen innerhalb der ersten 10 Sekunden zu kommunizieren.

Für ein kleines Dienstleistungsunternehmen muss eine gute Unternehmenswebsite meiner Meinung nach im Grunde drei Dinge leisten:

A) dem Kunden erklären, was er aus deinem Angebot zieht, oder welches Problem du für ihn löst
B) dem Kunden einen Grund geben, zu glauben, dass du es tatsächlich liefern kannst
C) den Kunden zum nächsten Schritt bringen, meistens, indem er dich kontaktiert

Das ist natürlich keine wissenschaftliche Formel, aber es steckt etwas Forschung dahinter. Die Nielsen Norman Group beschreibt den wahrgenommenen Wert einer Website als den Nutzen, den sich Nutzer davon erwarten, und argumentiert, dass dieser erste Eindruck stark beeinflusst, ob sie sich überhaupt mit der Website beschäftigen. Stanford-Forscher ließen 2.684 Personen echte Websites bewerten und stellten fest, dass das visuelle Design der am häufigsten genannte Faktor bei der Beurteilung ihrer Glaubwürdigkeit war. Und wenn der Besucher danach tatsächlich etwas tun soll, muss auch der nächste Schritt klar sein: Die Nielsen Norman Group empfiehlt ausdrücklich klare Calls-to-Action mit genügend Informationen, damit Nutzer verstehen, wohin sie führen.

Die Realität ist, dass viele Einzelpersonen und kleine Unternehmen keine komplizierte Website brauchen. In vielen Fällen reicht eine gute Landingpage plus die rechtlich nötigen Seiten bereits aus. Sobald die drei Punkte oben erfüllt sind, bist du im Grunde fertig.

Eine Kategorie, die das oft sehr gut macht, sind persönliche Websites und Portfolios. Die haben meistens eine Hauptseite, sehen oft deutlich anders aus als alles andere, und das war’s dann schon. Vielleicht noch ein Blog und ein paar rechtliche Sachen. Die guten machen trotzdem sofort klar, wer die Person ist, was sie tut, was sie getan hat und wie man sie erreichen kann. Sie schaffen es, herauszustechen, ohne die Website selbst schwer verständlich zu machen.

Und diese beiden Dinge sind tatsächlich ziemlich verschieden. Google-Forscher fanden heraus, dass Menschen im Allgemeinen Websites mit geringerer visueller Komplexität bevorzugen und Designs, die ungefähr dem entsprechen, was sie von dieser Art von Website ohnehin erwarten. Diese ersten Eindrücke können sich in nur wenigen Dutzend Millisekunden bilden. Man kann eine Website also durchaus unverwechselbar aussehen lassen, ohne ihre Struktur kompliziert zu machen.

Natürlich braucht man manchmal doch mehr Seiten. Wenn du mehrere wirklich verschiedene Leistungen hast, unterschiedliche Zielgruppen, viele Informationen zu erklären oder Inhalte, nach denen gezielt gesucht wird, kann eine Aufteilung die Website leichter verständlich machen. Und absolut alles auf eine gigantische Landingpage zu packen, ist auch nicht einfach.

Der Punkt ist nicht, möglichst wenige Seiten zu haben. Sondern so viel Website, wie du tatsächlich brauchst.

Wann immer du also eine baust, halte sie einfach. Fang damit an, was der Kunde aus deinem Angebot zieht, warum er glauben soll, dass du es liefern kannst, und was du von ihm als Nächstes möchtest. Dann ergänze Dinge, wenn sie einen echten Zweck haben.

Meistens bedeutet das auch, dass die Website schneller gebaut, günstiger gepflegt und leichter verständlich ist.