Was ist eigentlich ein KI-Agent?

Ein Thema, das immer stärker in den Vordergrund rückt, sind KI-Agenten. Egal, wohin man schaut, selbst in klassischen Nachrichtensendungen scheint das Wort „Agent“ inzwischen überall aufzutauchen. Und das aus gutem Grund: KI-Agenten sind im Grunde der natürliche nächste Schritt in der aktuellen KI-Revolution.
Richtig angefangen hat alles mit der Einführung von ChatGPT im November 2022: einem Chatbot, der einigermaßen intelligent auf praktisch jede Frage antwortete, die man ihm stellte. Anfangs schwankte die Qualität der Antworten stark, von völligem Unsinn bis hin zu ziemlich guten Ergebnissen. Was dann folgte, ist wahrscheinlich eine der beeindruckendsten Entwicklungskurven der jüngeren Vergangenheit. In weniger als vier Jahren hat sich diese Technologie von einem beeindruckenden Spielzeug zu Systemen entwickelt, die Software schreiben, recherchieren und sogar zu hochkomplexen mathematischen Problemen beitragen können.
Doch Intelligenz ist nur ein Teil dessen, was sich verändert hat.
Was 2022 veröffentlicht wurde, war größtenteils ein Chatbot: Man schrieb etwas, und er schrieb etwas zurück.
Inzwischen sind wir deutlich weiter.
Vor allem haben wir diesen Chatbots die Fähigkeit gegeben, Werkzeuge zu nutzen.
MCP, falls dir der Begriff schon einmal begegnet ist, ist im Grunde ein Standard, über den Agenten Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden können.
Dadurch entsteht eine Art Schleife:
Mensch gibt der KI eine Aufgabe
→ KI überlegt, was zu tun ist
→ KI nutzt ein Werkzeug
→ KI betrachtet das Ergebnis
→ Wiederholung, bis die Aufgabe erledigt ist
Plötzlich kann der Chatbot nicht mehr nur Texte schreiben, sondern auch das Web durchsuchen, Code ausführen, Dateien lesen oder mit bestehenden Apps und Websites interagieren.
Genau das bezeichnen wir heute im Wesentlichen als KI-Agenten: ein KI-System, das Werkzeuge nutzen und selbstständig auf die Erledigung einer Aufgabe hinarbeiten kann.
Vereinfacht könnte man sagen:
KI-Modell + Werkzeuge + eine Schleife = Agent
Der entscheidende Unterschied ist eigentlich ganz einfach:
Ein Chatbot kann dir erklären, wie du etwas machst.
Ein Agent kann loslegen und es tatsächlich erledigen.
Autonomie ist dabei eher ein Spektrum: Manche Agenten werden erst aktiv, nachdem man ihnen eine Aufgabe gegeben hat. Andere können kontinuierlich laufen und selbst entscheiden, wann Arbeit anfällt. Agenten können Aufgaben außerdem an andere Agenten delegieren und so Multi-Agenten-Systeme bilden — wobei für die meisten Aufgaben ein einzelner leistungsfähiger Agent vermutlich einfacher und vollkommen ausreichend ist.
Ich weiß nicht, wann wir den Punkt erreichen werden, an dem Agenten über längere Zeiträume wirklich eigenständig arbeiten können, ohne dass wir ihnen sagen müssen, was sie tun sollen. Aber darauf müssen wir auch gar nicht warten. Agenten können schon heute nützliche Arbeit leisten.
Die Frage scheint sich also zu verschieben, von:
„Was kann ich eine KI fragen?“
zu:
„Welche Arbeit kann ich einer KI übertragen?“
Und ich glaube, zu lernen, wie man diese Frage beantwortet, könnte zu einem echten wirtschaftlichen Vorteil werden.